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franz xaver messerschmidt: life

1736

6th of february: baptized in wiesensteig, oberamt geislingen, württemberg, germany; family of tanners; many brothers and sisters.

1746

7th of january: death of the father, removal to munich. apprenticeship at his uncle's johann baptist straub (1704-1784), sculptor at the court.

~ 1752

apprenticeship at his uncle's philipp jakob straub (1706-1774), sculptor at the court of graz.

~ 1754

moves to vienna.

1755

4th of november: student at the vienna academy of arts, jakob schletterer.

1759-70

martin van meytens, director of the academy, furthers messerschmidt.

1760-

works for the royal court and high nobility, mostly portraits

1765

stay in rome

1769

22th of february: admission to the academy of arts. - 2nd of march: admission to the academy of copperplate engravers - 10th of september: nomination as a substitute professor with a right to succeed schletterer. - transition to classicism.

1770

march: buys a house at ungargasse 5, neighbour to mesmer. - 23rd of march martin van meytens dies. - starts work of the heads.

1774

1st of march: sells the house and art works. - 19th of may schletterer dies. messerschmidts right of succession is passed over

1775

5th of may: passport, travels to munich and wiesensteig, settles at munich.

1777

august: moves to preßburg/bratislava, lives at his brother's johann adam. - Works for citizens and the court.

1780

29th of december: buys a house in preßburg's suburbia.

1783

august: death after short illness. leaves 50 heads.

Kurzer Lebenslauf

Franz Xaver Messerschmidt ist 1736 in Wiesensteig in der Schwäbischen Alb geboren. Seine Eltern waren Johann Georg Messerschmidt (*1669), von Beruf Gerber, der als Vater von erwachsenen Kindern und langjähriger Witwer sich im Alter von 62 erneut verheiratet hatte, und Johanna Straub, Tochter aus einer Wiesensteiger Schreinersfamilie, die in ihrer Generation nicht weniger als sechs Bildhauer und einen Maler hervorgebracht hatte, der bekannteste davon ihr Bruder Johann Baptist Straub, Hofbildhauer in München. Franz Xaver war das vierte von sieben Kindern aus dieser Ehe.

Nach dem Tode des Vaters 1746 zog die Mutter mit ihren damals noch fünf Kindern zu ihrem oben erwähnten Bruder nach München. Der Onkel nahm Franz Xaver in die Lehre. Um das Jahr 1752 reiste der Lehrling nach Graz zum Hofbildhauer Philipp Jakob Straub, einem weiteren Bruder der Mutter, wo er etwa zwei Jahre gearbeitet haben dürfte, bevor er nach Wien zog. Vom 4. November 1755 datiert die Eintragung als Schüler des Professors Jakob Schletterer an der Wiener Akademie der bildenden Künste.

An der Akademie scheint Messerschmidt besonders von der Förderung durch den Direktor Martin van Meytens profitiert zu haben, welcher diese Stellung seit 1759 innehatte. Ab 1760 wissen wir von Arbeiten Messerschmidts für Hof und Hochadel, vorwiegend handelt es sich dabei um Porträts in der Form von Reliefs, Büsten und Statuen. Etliche davon befinden sich heute in Besitz und Ausstellung im Barockmuseum der Österreichischen Galerie im unteren Belvedere in Wien, darunter zwei Monumentalstatuen der Kaiserin Maria Theresia und ihres Gemahls.

1765 reiste Messerschmidt nach Rom. Für Maler und Architekten war diese Ausbildungsreise bereits etabliert, Bildhauer fuhren jedoch eher noch nach Venedig. Kontakte zu Winckelmann und dem klassizistischen Kreis sind denkbar, aber nicht nachweisbar.

1769 wurde Messerschmidt in den Wiener Institutionen etabliert: Vom 22. Februar datiert die Aufnahme in die Akademie der bildenden Künste als ordentliches Mitglied, vom 2. März diejenige in die Kupferstecherakademie; und schliesslich wurde er am 10. September zum Substitutsprofessor der Akademie der bildenden Künste ernannt, mit Nachfolgerecht auf das Amt Schletterers.

Zu bemerken ist dazu, dass die Kupferstecherakademie als Konkurrenzprojekt zur Akademie der bildenden Künste entstanden ist, deren Initianten die beiden Institutionen nach der Übernahme der traditionellen Akademie auch wieder verschmolzen. Messerschmidt war also - dies können wir aus seiner Beteiligung auf beiden Seiten schliessen - zumindest nicht dezidiert Partei in diesem Machtkampf.

Im gleichen Jahr sehen wir zum ersten Mal Werke Messerschmidts mit deutlich klassizistischen Zügen, als «Parade-Beispiel» ist eine Büste von Franz von Scheyb zu nennen, die der Künstler der Akademie als Aufnahmestück vorgelegt hatte.

Anfang März 1770 kaufte Messerschmidt ein relativ grosszügiges Haus in der Ungargasse 5, in Nachbarschaft zum Hause des «Wunderdoktors» Franz Anton Mesmer, mit welchem er bekannt, wenn nicht befreundet war. Am 23. März starb sein Förderer Martin van Meytens. In diesem Jahr dürfte Messerschmidt die Arbeit an den Köpfen begonnen haben.

Seit dieser Zeit muss Messerschmidt an der Akademie Probleme bekommen haben und Aufträge vom Hof sind keine bekannt. Nicht nur durch die klassizistische Auffassung seiner Werke, die Widerstand hervorgerufen haben dürfte, auch durch die eigenwillige Produktion der Köpfe wird Messerschmidt mehr und mehr isoliert worden sein. Wieviel hierzu von welcher Seite beigetragen worden sein mag, lässt sich schwer beantworten.

Am 1. März 1774 verkauft Messerschmidt sein Haus, wahrscheinlich in finanziellen Schwierigkeiten. Auch ein öffentlicher Verkauf von Kunstwerken ist bekannt. Als am 19. Mai Jakob Schletterer stirbt, wird Messerschmidt bei dessen Nachfolge übergangen. Aus Stolz verzichtet er auf die ihm entschädigungsweise zugesprochene Pension.

Im Mai des darauffolgenden Jahres verlässt Messerschmidt Wien und reist via München nach seinem Heimatort Wiesensteig. Ende Jahr folgt er einem Ruf nach München. Er logiert sich dort ein und wartet, dass er bestellt würde, Arbeitsproben vorzulegen zur Erlangung der in Aussicht gestellten Beamtung als Hofbildhauer. Zwei Jahre verbringt Messerschmidt in München, vermutlich ausreichend beschäftigt mit den Köpfen und offenbar zu stolz, untertänigst am Hofe vorzusprechen.

Im August 1777 reist Messerschmidt nach Bratislava (Pressburg) und quartiert sich bei seinem Bruder Johann Adam, auch dieser Bildhauer, ein. Weiterhin arbeitet er selbständig, er verfertigt Portätmedaillons und Büsten für bürgerliche Kundschaft und den dortigen Hof. Am 29. Dezember 1780 kauft er sich ein eigenes Haus in einem Vorort der Stadt, im April zieht er dort ein.

Als hauptsächliche Beschäftigung des Künstlers ist in dieser Zeit in Bratislava die Arbeit an den Köpfen anzunehmen. Messerschmidt lebt zurückgezogen, es ranken sich allerhand Geschichten um seine Person. Als hervorragender, jedoch schrulliger Künstler erhält er Besuch von allerhand neugierigen Studienreisenden, die in der Folge über ihn berichten. Manche von ihnen werden auch barsch abgewiesen.

Im August 1783 stirbt Messerschmidt nach kurzer Krankheit. Er hinterlässt 69 Porträts, darunter 50 «Köpfe», 34 metallene und 16 alabasterne.

© 1997/2002 th.schmid

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